Pflege allgemein

Sinneswelten - Eine Möglichkeit den Pflegealltag über die Sinne zu reformieren!

Die meisten Patienten oder Heimbewohner sind in einer speziellen Situation aus der sie kaum ausbrechen können. Das kann unterschiedliche Emotionen und Reaktionen hervorrufen. Die einen können lethargisch reagieren und andere wiederum eher aggressiv und aufbrausend. Dem Pflegepersonal wird dabei eine enorme Feinfühligkeit abverlangt. Wie schön wäre es, wenn wir einen Knopf drücken könnten der die Stimmungsumgebung verändert und die Emotionen ganz gezielt verändern könnte!

Diesem Thema hat sich das CDA vollumfänglich angenommen und ein Pflegekonzept entwickelt, das sich der Emotionalität des Menschen annimmt. Das Ziel dabei ist, dem Pflegepersonal ein Instrument zu bieten, welches sich in einfacher Weise den Stimmungsschwankungen der Patienten und Heimbewohner annimmt. Die Vorgehensweise des CDA Pflegekonzeptes basiert auf der basalen Stimulation und kann gleichzeitig die Biografie oder Vorlieben des einzelnen miteinbeziehen. Das Pflegekonzept soll die noch erhaltene emotionale Lebensqualität mit Erlebnioasen- und multisensorischen Sinnesoasen fördern. Der Emotionalität kann, dank sorgfältig abgestimmten Duft, Licht-, Farb- und Klangkonzepten, welche die Sinne ansprechen, Rechnung getragen werden. Es entsteht ein Ort der Geborgenheit, indem sich Menschen mit Gedächtnisverlust besonders wohlfühlen.

Die Lösung

Dieser Sichtweise hat sich das CDA (centre d'ambiance) angenommen und hat in jahrelanger Forschung ein Konzept entwickelt, das dem Pflegepersonal die Möglichkeit gibt, sein Wohn- und Betreuungskonzept so umzusetzen, dass es den Betroffenen mit Gedächtnisverlust gerecht wird. Alle Faktoren wie Licht, Geruch, Duft, Klang, Farbe usw. werden mit in das Konzept integriert.

Bei Neu- oder Umbauten richtig angewendet, entstehen dabei kaum Zusatzkosten, weil die benötigte Infrastruktur mit eingebunden werden kann. Ein ganzheitliches Wohn- und Betreuungskonzept kann entstehen, das gleichzeitig zusätzlich dem Tagesablauf gerecht wird und diesen vollumfänglich unterstützt. Es gibt das emotionale Empfinden von Sicherheit und Orientierung. Es fördert und erhält die Autonomie und regt die emotionale Kommunikation an. Gleichzeitig wird das Gefühl von „ ich bin zuhause“ vermittelt.

Farben, Formen, Licht

Die visuelle Wahrnehmung sollte in die drei Grundelemente Farben, Formen, Licht (Licht und Schatten) unterteilt werden. Details über die Visualität vermittelt, können bei mittelschwerer bis schwerer Demenz vom Betroffenen kaum mehr richtig eingeordnet werden. Demzufolge sind Details nur Randfaktoren und stehen nicht im Zentrum.

Farben wirken in unterschiedlichste Richtungen! Den Farben blau und grün wird vorwiegend eine beruhigende Wirkung zugesprochen. Rot wirkt eher aktivierend und kann sogar als Warnung empfunden werden.

Da Licht ebenso Farben erzeugen kann, ist insbesondere dieser Eigenschaft neben der Helligkeit besonderes Augenmerk zu schenken. Mit der heutigen Technik kann über das Licht die Stimmung zu unseren Gunsten gewählt werden. Bei richtig gewählter Wandfarbe können über LED's besondere Stimmungen und Tagesabläufe gespielt und inszeniert werden.

Organische Formen (rund und weich) werden kaum als Bedrohung wahrgenommen, hingegen technische Formen (eckig und kantig) schon.

Gerüche und Düfte

Warnbotenstoffe, die zum Beispiel bei Inkontinenz entstehen, können bei Demenzerkrankten starkes Unwohlsein hervorrufen, weil diese immer als Bedrohung wahrgenommen werden. Ein Versuch solche Geruchsausdünstungen zu maskieren (übertünchen) bringt nie den erhofften Erfolg, da zu starke Identifikationsdüfte wiederum ein Unbehagen hervorrufen können.

Besser ist es, die Geruchsumgebung möglichst zu neutralisieren, damit dann mit ätherischen Ölen sehr dezent, jedoch gezielt, gearbeitet werden kann. So kann Melisse schöne Träume übermitteln, würzige Botenstoffe das Hunger- und Durstgefühl animieren, blumige das Herz öffnen oder zitrusartige Botenstoffe die Sonne ins Herz zaubern.

Im Tagesablauf richtig eingesetzt ist der Einsatz von Botenstoffen eine besonders gute Möglichkeit, die Betroffenen in eine gute emotionale Stimmung zu bringen. Hier gilt der Grundsatz, dass Botenstoffe in unseren Sinneswahrnehmung ebenso in Farben aufgelöst werden können, wie es das Auge mit Gesehenem tut.

Klänge, Geräusche und Musik

Wichtig ist die wissenschaftliche Erklärung, dass Klänge oder Musik und der damit verbundene Takt uns massgeblich beeinflussen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, um welche Musik oder welche Klänge es sich handelt.

Hingegen bedrohliche Geräusche wie laute Stimmen, Gewitter oder gar nur das „Stühlerücken“ können eine bedrohliche Stimmung verursachen. Somit ist auch der Bereich der Akustik ein wichtiger Faktor, um den dementen Bewohner emotional zu berühren.

Klänge ganz dezent eingesetzt, können das Herz öffnen, die Aktivität steigern oder uns ganz ruhig schlafen lassen.

Auch Klangwelten können wiederum einem Farbspektrum zugeordnet werden und stellen demzufolge ebenso einen wichtigen Faktor dar für die Emotionalisierung von Räumen. Negative Geräuschkulissen sollten möglichst vermieden werden.

Die anderen Sinne

Zu unseren Sinneswahrnehmungen gehören neben dem Geschmack- und dem Tastsinn auch der Temperatur-, Schmerz- und Gleichgewichtissinn. Gerade der Tastsinn, die Haptik, (Berührungen, Bodenbelag, Lüftung) spielt eine sehr ausgeprägte Rolle in der emotionalen Empfindung.

Da die Berührung von Holz (warm) oder Metall (kalt) äusserst unterschiedlich aufgenommen wird, ist auch der Wahl der Materialien ein besonderes Augenmerk zu widmen. Gerade Personen mit einer starken Demenzerkrankung widerstrebt die Berührung von Metall.

Bodenbeläge alleine, aber auch deren Farbe können als Bedrohung empfunden werden. Graue glatte Böden sollten vermieden werden. Spiegelungen durch Licht und Schatten sind ebenso ein wichtiger Faktor, der das Unwohlsein fördert.

Tasten kann aber auch besonders positive, emotionale Stimmungen hervorrufen, jedoch nur, wenn dieses Tasten als natürlich und ohne die Verbindung mit einem "Schmerzlieferant" empfunden werden kann.